DALLAS

Präsident J.F.Kennedy wurde mehrfach gewarnt nach Dallas zu reisen. Senator Fulbright warnte ihn, dass Dallas gefährlich sei. Noch am Morgen des 20. November rieten ihm Senator Hubert Humphrey und Kongreßabgeordneter Hale Boggs von der geplanten Reise ab. Dallas, knapp 1000 Meilen südlich des Weißen Hauses gelegen, hatte bei den letzten Wahlen überwiegend für Nixon gestimmt. Nichts hat sich seither verändert. Zweifellos war Texas eine Gefahr, denn Dallas war das Mekka der Reaktionäre. Zu den Spitzen der Gesellschaft gehörte ein wegen seiner rassistischen Voreingenommenheit seines Oberbefehls enthobener General, ein Bürgermeister, der mit der in Dallas blühenden John Birch Society offen sympathisierte, und ein publizitätssüchtiger, von der "roten Gefahr" besessener Multimillionär. Für sie und ihresgleichen bedeutete Kennedys Programm der Gleichberechtigung der Afro-Amerikaner, das Atomteststoppabkommen und die Politik der Koexistenz nichts weniger als Hochverrat. Es war kein Jahr seit der Kubakrise vergangen, und schon beschuldigten Rechtsextremisten Kennedy, vor Fidel Castro Angst zu haben. Diese Gruppe bildete ein Geschwür auf dem Antlitz der USA. In Dallas drohte es zu platzen. Aber Kennedys Entschluß stand fest.

Die Texas-Tour von Präsident Kennedy begann am 21. November 1963. Die erste Station war San Antonio. Die Begleitung bestand aus vier Autokolonnen. Der 22.November begann mit einer Rede im Regen, anschließend fand ein politisches Frühstück statt.

Vor zwölf Uhr mittags kamen sie in Dallas an.Am Flughafen hieß ihn eine Menschenmenge willkommen. Dann fuhr er in einem offenen Wagen zur Stadtmitte. 12 Uhr 29 bewegte sich die Kolonne langsam an jubelnden Menschenmengen vorbei durch die Stahl- und Glasschluchten der City. Mit elf Meilen Stundengeschwindigkeit bewegte sich der Zug feierlich auf die Elm Street, einem offenen Gelände, zu. Zur Linken der Kolonne erstreckte sich die weite, grasbedeckte Dealey Plaza. Zur Rechten ragte die Texas School Book Depository empor, ein Lagerhaus, der letzte Hochbau in diesem Teil der Stadt. Der Bau markierte das Ende sowohl der urbanen Architektur als auch der schlimmsten Attentatsgefahrenzone.
Sie kamen jetzte zu einer Böschung mit einer dekorativen Säulenkolonade zur Rechten. Ein Polizist im ersten Wagen deutete auf den Eisenbahntunnel vor sich:"Wir haben's fast geschafft." Es war zwölf Sekunden nach 12 Uhr 30.

Dann fielen mehrere Schüsse in schneller Folge. Ein Agent berichtete, der Präsident habe noch gesprochen:"Gott, man hat mich getroffen." Er rollte seitwärts in seinen Sitz, mit beiden Händen zum Hals greifend. Im Sitz vor dem Präsidenten hörte Gouverneur Conally einen Schuß, dann war er selbst getroffen." Er schrie laut auf. In den folgenden fünf Sekunden verlangsamte sich das Tempo des Wagens. Dann fielen weitere Schüsse. Der Präsident fiel hart nach links und rückwärts, sein Kopf war zerschmettert. Als der Wagen endlich beschleunigte, glaubt Mrs Kennedy, "Jack, ich liebe dich", gerufen zu haben. Aber Frau Connally im Sitz vor ihr hörte sie nur schreien:"Jack...sie haben meinen Mann umgebracht" und "ich hab sein Gehirn in meiner Hand". Das letztere wiederholte sie immer wieder und wieder.

Eine halbe Stunde später sagte ein Arzt in der Unfall-Abteilung des Parkland Hospital der Frau des Präsidenten, was sie bereits wußte: "Der Präsident ist tot."